Die Vogtländer – eine mittelgroße, robuste und winterharte Landhuhnrasse.


ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Diese schöne Rasse musste einen recht langen Entwicklungsweg bis zur Anerkennung 1974 zurücklegen.

Erzüchtet wurde diese bereits vor 1918 vom langjährigen Sparten- und Ehrenvorsitzenden Martin Neudeck aus Wildetaube, der sich sein ganzes Züchterleben mit dieser hinsichtlich ihrer Farbe doch recht außergewöhnlichen Rasse befasste. Sein Hintergedanke war die Erzüchtung einer Rasse, die aufgrund ihrer Zeichnung und Farbgebung durch Raubzeug weniger gefährdet war. Nach seinen Vorstellungen sollte es ein Huhn von mausgrauer Farbe sein. Um dies zu verwirklichen, kreuzte er Rheinländer, Andalusier, Dominikaner und Welsumer.

Bedingt durch die Kriegszeit hörte man lange nichts mehr von dieser neuen Rasse. Erst zu den Siegerschauen in den 1950er Jahren zeigte der Herauszüchter wieder seine mausgrauen Vogtländer.

Ein erster Anlauf der Anerkennung unter dem Namen „blaugraue Reußenhühner“ scheiterte aus verschiedenen Gründen. Einer davon war die Bitte der Anerkennungskommission, der neuen Rasse einen roten Halsbehang anzuzüchten, damit diese ein farblich bewegteres Bild abgäbe und die nahe verwandtschaftliche Beziehung zu den blauen Rheinländern etwas beseitigt wird. Wiederum begann eine Phase langjähriger züchterischer Arbeit unter Zuhilfenahme rebhuhnfarbiger Rheinländer.

Die Anerkennung erfolgte zur Lipsia-Schau 1973 in Leipzig. Wolfgang Krebs schrieb darüber wie folgt: „Die baugrauen Vogtländer hatten sich weiter verbessert und wurden wieder in einer großen Kollektion alter und junger Tiere vorgestellt. Im Prüfjahr 1972/ 73 stand auch ein Stamm auf der Lehr- und Versuchsstation für Kleintierzucht des VKSK in Radebeul unter Kontrolle. Der Anerkennungsausschuss entschloss sich zur Anerkennung.“ Damit fand der lange Zuchtweg doch noch seine Erfüllung und so konnte sich der inzwischen hochbetagte Züchter Martin Neudeck, welcher in den letzten Lebensjahren fast vollständig erblindete, noch an diesem Erfolg erfreuen. Als er 1980 im Alter von 91 Jahren verstarb, wusste er die von ihm geschaffene Rasse in guten Händen. Sein Zuchtfreund Bodo Zschäck, aus Wildetaube, welcher sich bereits am Anerkennungsverfahren mit beteiligte, führte die Zucht weiter.

Dennoch blieb der neuen Rasse der große Durchbruch verwehrt und so kam es, dass er fast 15 Jahre als Einzelkämpfer auftrat. Erst Anfang der 1990er Jahre – bis 1993 waren die Hühner unter der Bezeichnung „Blaugraue Vogtländer“ bekannt – interessierten sich zunehmend auch andere Züchter für diese einzigartige Rasse, sodass heute ca. 10 Zuchten bestehen.


RASSEBESCHREIBUNG

Die Vogtländer sind jedoch keine Rasse für Züchter, die nur wenige Tiere aufziehen können oder wollen. Dies liegt vor allem daran, dass die Farbe wie bei jedem anderen blauen Farbenschlag aufspaltet, sodass es Tiere gibt, welche die ideale mausgraue Farbe mit einem leichten Stich ins Dun oder Fuchsige tragen, aber auch Tiere fallen, die nahezu schwarz oder schmutzigweiß sind. Selbst die Tiere mit blaugrauer Farbe sind manchmal zu fleckig oder deutlich zu hell, zu braun oder zu dunkel. Bedenkt man noch die manchmal auftretende unkorrekte Halsbehangfarbe, so kann man sagen, das Ausstellungstiere heute zu den Raritäten gehören.

Zum Aussehen des (einzigen) blau-grauen Farbenschlages: Der Hahn blaugrau mit rotgoldenem Sattelbe-hang, die Henne über den ganzen Körper eine blaugraue Farbe, wobei der Hals etwas dunkler als das Körpergefieder mit einem geringen Goldanteil gezeichnet ist. Das Vogtländerhuhn sollte eine langgestreckte, kräftige Landhuhnform verkörpern, reich befiedert im Hals- und Sattelbehang beim Hahn. Der Schwanz sollte mittellang und etwas aufrecht getragen werden, das Gefieder und die Flügel sollen straff anliegen, bei beiden Geschlechtern soll die Steuerfeder gut eingebaut sein. Gut abgerundet wird die Brust gefordert, der gut entwickelte Bauch sollte vor allem bei der Henne ausladend sein. Die Läufe sind mittelhoch und schieferblau, bei Alttieren teilweise bleigrau. Den mittelgroßen Kopf ziert ein gering geperlter und fest aufsitzender Rosen-kamm. Glatt und rot muss das Gesicht sein, die Ohrscheiben mittelgroß und weiß, wobei ein kleiner Anflug rot er-laubt ist. Die Kehllappen sollten nicht zu grob und gerundet sein, die Augen groß, dunkelbraun und lebhaft wirken. Der leicht gebogene, mittellange Schnabel ist entsprechend der Fußfarbe dunkel-grau und damit dunkler gefärbt.

Grobe Fehler sind ein zu plumper Körperbau, rote Ohrlappen, ein weißer Schnabel, viel zu helles Rot in den Behängen beim Hahn, viel Rot im Mantelgefieder der Henne sowie Schilf.

Das geforderte Standardgewicht beträgt beim Hahn zwischen 2,0 und 2,5 kg, bei der Henne zwischen 1,75 und 2,25 kg.

Die Vogtländer haben einen großen Bewegungsdrang, neigen dazu, ihr Futter selbst zu suchen und mögen einen unbegrenzten Auslauf. Die Legeleistung wird mit 150 bis 190 Eier mit einem Gewicht von 55 g angegeben, die Schalenfarbe ist weiß.

Ringgröße: Hahn = 18 / Henne = 16


DER SONDERVEREIN

Bleibt zu hoffen, dass es immer wieder Enthusiasten unter den Züchtern gibt, die sich dieser seltenen, aber äußerst interessanten Rasse annehmen. Weitere Informationen erhalten Sie vom betreuenden SONDERVEREIN DER ZÜCHTER DER HAUBENHÜHNER UND SELTENEN HÜHNERRASSEN.

Jochen Schmauch / Vorsitzender
Anschrift: Tränkgasse 43 a / 99947 Bad Langensalza
Telefon: 0 36 03 – 84 47 40
eMail: huehner.jochen@gmx.de

Gerald Baumgartl / Rassegruppenobman für Vogtländer u. a. im SV
Anschrift: Wiesenstraße 6 / 63546 Hammersbach – Langenbergheim
Telefon: 0 61 85 – 12 02
eMail: gerald-baumgartl@t-online.de