In diesem Jahr stehen gleich drei Vertreter der Thüringer Farbentauben im besonderen Fokus der Züchter.


THÜRINGER SCHWALBEN

In der Chronik des Thüringer LV ist zu lesen, dass bereits um 1800 in den Taubenhändlerstuben vollplattige Schwalbentauben gehandelt wurden. Für ein Paar Schwalben wurden bis zu 5 Taler gezahlt schreibt Zaubitzer.

Im Zuge der Gründung des Clubs der Flügel- Schild- und Schnippentauben um 1900 weist Lützelberger ausdrücklich darauf hin, dass Schwalben- oder Feentauben schnippig und glattfüßig sind. Ca. um 1920 wurden dann auch die kappigen Schwalben anerkannt. Vor dem 1. Weltkrieg wurden sie wahrscheinlich schon im Club der seltenen Thüringer Farbentauben mitbetreut, da der damalige 1. Vorsitzende (ab 1937) Hans Weißbach hauptsächlich Schwalben züchtete. Nach dem 2. Weltkrieg wurden unsere Schwalben dann offiziell im SV geführt. Bei heutigen Ausstellungen werden ca. 75% kappige und 25% glattköpfige Tiere gezeigt. Dadurch ist auch abzuleiten, dass die Kappigen einen sehr hohen Zuchtstand besitzen. Zu ihrer kräftigen Feldtaubengestalt kommt bei den Kappigen ein breiter Schädel und eine federreiche volle Rundhaube hinzu. Die Rundhaube soll frei stehen, den Scheitel überragen und dabei in Ohrhöhe in gleich hoch sitzenden Rosseten enden. Auf ein festes und geschlossenes Nackengefieder sollte immer geachtet werden.

Ein weiteres Rassemerkmal der Thür. Schwalben ist der hellhornfarbige Unterschnabel und ein farbiger Oberschnabel, der aber bei den einzelnen Farbenschlägen in der Intensität etwas variiert. Das Auge wird steht’s dunkel verlangt und von einem schmalen fleischfarbigen bis roten Augenrand geziert.

Die Schwalben zählen zu den weißgrundigen Farbentauben, d. h. die Grundfarbe ist weiß, nur Flügel und Kopfplatte sind farbig. Die farbige Abgrenzung der Kopfplatte sollte von der Schnabelmitte durch das Auge bis zum Hinterkopf verlaufen. Bei den Kappigen verläuft der Kopfschnitt bis in die Haube, dass bedeutet, dass das Haubenfutter wieder weiß sein muss. Zwischen den beiden Flügeln ziert ein weißes möglichst großes Herz unsere schönen Schwalben.

Unsere Thüringer Schwalben sind in 26 Farbenschlägen jeweils in glattköpfig und kappig anerkannt. Dazu zählen die Lackfarben Schwarz, Rot und Gelb. Sehr stark verbreitet sind Blaue, Blaue mit schwarzen Binden. Des Weiteren die Verdünntfarbigen in Blaufahl und Blaufahl mit dunklen Binden. All diese genannten Farbenschläge gibt es auch in Weißbindig und Weißgeschuppt. Dazu kommen noch Blaugehämmerte, Blaufahlgehämmerte, Rot- und Gelbfahle sowie Rotfahlgehämmerte und Gelbfahlgehämmerte, die aber recht selten sind. Noch seltener sind blau-bronzegeschuppte, blaufahl-sulfurge-schuppte und blau-rosageschuppte Thüringer Schwalben.

Die Thüringer Schwalbe ist eine temperamentvolle, äußerst vitale und sehr fruchtbare Taube, die nicht nur in ihrer Thüringer Heimat gehalten wird.

Beringt wird sie mit der Ringgröße 8.


THÜRINGER FLÜGELTAUBEN

Die Thür. Flügeltaube gehört zu den meistgezüchteten Farbentauben der Thüringer Rassen überhaupt und hält viele Züchter aufgrund ihres schnittigen Aussehens, ihrer Fluggewandtheit und Zuchtfreudigkeit im Bann.

Erzüchtet wurde die Thüringer Flügeltaube im Raum Sonneberg. Dort sind einige bekannte Züchter durch die Flügeltaube bekannt geworden, die jahrelang große Erfolge mit ihren Tieren nachweisen könnten. Ich denke besonders an Zuchtfreund Baumann aus Mengersgereuth-Hämmern, der mit den hohlblauen Farbenschlag jahrelang führend war.

Um die schnittige Figur zu erhalten, sollten jedoch einige Hinweise beachtet werden. In den letzten Jahren hatten sich einige figürliche Fehler eingeschlichen, die es gilt mit Konsequent abzustellen. Obwohl die Flügeltaube durch schnittige Figur Aufmerksamkeit auf sich lenkt, sollte auf die richtige Schwanzlänge im Verhältnis zu der Schwingenlänge geachtet werden. Dabei spielt die richtig angesetzte Beinstellung eine erhebliche Rolle. Speziell der hohlblaue Farbanschlag ist mit diesem Fehler behaftet, dass die Beine zu weit vorne angesetzt sind und die geforderten Proportionen nicht vorhanden sind. Das Bild wird natürlich günstiger beeinflusst, wenn eine entsprechende Brustbreite vorhanden ist. Man sollte darauf achten, dass das Verhältnis 40/60 nicht unterschritten wird. Mir wurden schon Tiere auf führenden Ausstellungen zum V vorgestellt, bei denen vor den Beinen 3 – 4 cm Brustlänge und hinter den Beinen 25 – 30 cm Körperlänge vorhanden waren. Die schönsten langen Flügeltauben nützen nichts, wenn die Proportionen nicht stimmen.

Des Weiteren kann man fehlerhafte Schwanzhaltungen beobachten – z. B. offene Schwänze, hängende Ortfedern oder fehlende Schwanzfedern führen oft zu niedrigen Noten. Es sind auf alle Fälle Degenerationserscheinungen, welche zum Ausschluss führen.

Ein immer wieder auftretender Fehler ist die nicht vorhandene Oberkopfwölbung. Wir verlangen eine einwandfreie abgerundete, mit entsprechender Oberkopfwölbung vorhandene Kopfform. Bevor man die einzelnen Schwerpunkte wie Farbe, Zeichnung und Zuchtstand der jeweiligen Farbenschläge betrachtet, sollte man in der Zucht und selbstverständlich auch als Preisrichter die gegebenen Hinweise in Bezug auf Figur sowie Federstruktur beachten und in den Vordergrund stellen.

Die Thüringer Flügeltaube ist zwar eine Farbentaube, bei der die Farbe im Vordergrund steht, aber die aufgezeigten Mängel werten eine Flügeltaube derart ab, dass selbst die feinste Farbe und Zeichnung eine hohe Note nicht zulassen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass der Augenrand schmal, fein im Gewebe und rot sein muss. Auf die Krallenfarbe legen wir keinen Wert, da bei den dunklen Farbenschlägen das Tier zwei verschiedene Hornfarben in sich vereint, dunkler Oberschnabel und heller Unterschnabel. Durch diese beiden Hornfarben treten naturgedingt helle und dunkle Krallen auf, die wir tolerieren.

Die vorhandene Schnippe sollte im Schnabelwinkel nicht aufsitzen, birnen- oder lanzettförmig und nicht zu breit, besonders im Augenbereich.

Ein wertvolles Tier sollte ein möglichst großes breites Weißes Herz aufweisen und so schmal wie nur möglich schließen. Das heißt der Herzschluss soll nicht breiter als maximal 5 mm sein. Wenn ich ein solch breites Herz fordere, muss ich allerdings Zugeständnisse in Form von kleinen weißen Federchen im Unterflügel hinnehmen. Der Standard sieht das auch vor. Dieser Schwerpunkt wird von manchen Preisrichtern nicht beachtet und hart bestraft. Damit wird den lackfarbigen Farbenschlägen ein schlechter Dienst erwiesen und der Rasse Schaden zugefügt. Die Züchter sollten kleine weiße Federchen stehen lassen und keine kahlen Stellen putzen. Verständnisvolle Preisrichter kennen diese Probleme.

Was die Farbintensität des Unterflügels betrifft, so gibt es allerdings keine Zugeständnisse. Eine Flügeltaube mit matter Unterflügelfarbe, besonders im Bereich des Flügelbugs, hat naturgemäß auch keine intensive Lackfarbe auf den Decken aufzuweisen. Wenn man auf reine Unterflügel hinarbeitet, so treten bunte Federbereiche an Stellen auf, die auf keinen Fall gewollt sind. Das schöne breite Herz, welches unsere Flügeltaube erst so attraktiv macht, wird ebenfalls zurück gebildet und der Flügel wirkt breit.

Die Farbenschläge und ihre Eigenheiten. Alle Lackfarben sollten Schmalzkiele aufweisen. Früher waren Schmalzkiele nur den fränkischen Farbentauben eigen. Man hat jedoch rechtzeitig erkannt, dass Lackfarbe nur mit vorhandenen Schmalzkielen erreicht werden kann. Von den Lackfarben sind die schwarzen Thüringer Flügeltauben der meistgezüchtete Farbenschlag, zeigt jedoch mengenmäßig leichten Rückgang. Hier wird intensive Schwingenfarbe verlangt, welche auch vorhanden ist.

Im roten Farbenschlag fordern wir ein leuchtendes Rot. Von den Spitzentieren wird es auch gezeigt. Es besteht auch noch eine Linie die zum braunen Farbton neigt. Diese Tiere zeigen glatte Feder, jedoch ohne Lack. Die lackreichen Tiere zeigen meistens etwas lockere Feder, die vorsichtig bewertet werden sollte.

Die Gelben Flügeltauben finden nicht die nötige Verbreitung, sind jedoch stark verbessert worden, dank eines stabilen Züchterkreises. Auch hier spielt die Straffe Feder eine Rolle. Man sieht auch Tiere, welche straffes Schild haben, aber im Schwung absetzen.

Die Thüringer Flügeltauben blau ohne Binden ist der verbreiteste Farenschlag, aber auch in Bezug auf Farbe und Zeichnung die Besten. Wir verlangen ein hellblaues Schild mit dunklen Schwung und intensiv gefärbter Innenfahne. Obwohl dieser Farbenschlag die größten Probleme mit den Proportionen hat, sollte man ihn als Maßstab für alle anderen betrachten. Ich spreche natürlich von den Tieren, bei denen die Beine an der richtigen Stelle angesetzt sind.

Die Blauen mit schwarzen Binden haben sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Obwohl sie eng mit den Hohlblauen verwandt sind, haben sie mit den Proportionen keine Probleme. Schwerpunkt ist eine parallele, gut durchgehende, gleichmäßig breite, allerdings nicht zu breite Binde. Tiere bei denen die Binden keilig verlaufen oder breite 2. Binde mit zackigen Auslauf zeigen, haben keine Berechtigung zu hohen Noten.

Die blaugehämmerten Thüringer Flügeltauben haben die rostigen und schilfigen Schwingen dank fleißiger Züchterarbeit überwunden.

Die blaufahlgehämmerten haben einen festen Züchterkreis gefunden und sind auf Spezialausstellungen in erheblichen Stückzahlen vertreten. Man sollte darauf achten, dass die Zeichnungsfarbe nicht zu hart auftritt. Dieser Farbenschlag kämpft noch um roten Augenrand.

Die gelbfahlen Flügeltauben sind für Zuchtfreunde die zarte Farben lieben der richtige Farbenschlag. Man muss genau hinschauen wenn man die Herzzeichnung erkennen will. Sie hebt sich bei Spitzentieren kaum von der Flügelfarbe ab.

Die Thüringer Flügeltauben blaufahl mit und ohne Binden zeigen eine hohe Qualität. Probleme gibt es teilweise in der Schildfarbe der Täubinnen, die mitunter etwas wolkig erscheint.

Thüringer Flügeltauben blaubronze-gehämmerte kamen nach der Wende nach Thüringen und finden nicht die richtige Verbreitung, ebenso die sulfurgehämmerten. Beide Farbenschläge werden von einem Züchter aktiv gezüchtet, schade, dass deren Verbreitung nicht weiter vorwärts geht.

Die rot- und gelbgehämmerten Flügeltauben zeigen beachtliche Fortschritte. Die offene Hämmerung wird meistens korrekter gefordert.

Eine Attraktion sind die Thüringer Flügeltauben schwarz, rot, gelb, blau- und blaufahl mit weißen Binden. Wenn man in der Vergangenheit nur 1 – 2 Tiere auf Ausstellungen sah, so konnte man in Plaue zur HSS 25 Schwarze, 4 Rote und 29 Blaue mit weißen Binden bewundern. Des Weiteren waren 5 Gelbe und 17 Blaufahle ausgestellt. Die Tiere haben dank zielstrebiger Arbeit hervorragender Züchter einen hohen Zuchtstand erreicht. Man kann allerdings bei diesen Raritäten die Binde nicht wie bei der Startaube verlangen, oder als Vorbild die Schwinge einer einfarbigen Taube nehmen. Zugeständnisse und verantwortungsvolle Preisrichterarbeit sind hier gefragt.

Gleiches gilt für die schwarz-weißen, rot-weißen, gelb-weißen, blau-weißen und blau-fahlweiß-geschuppten Flügeltauben. Eine Einzelbeschreibung hier vorzunehmen ist sehr aufwendig und würde vielen Zuchtfreunden nichts besagen.

Der rotgescheckte Farbenschlag ist ebenfalls anerkannt und wird in ganz geringen Stückzahlen gezeigt. Ich ziehe den Hut vor dem Züchter und der schweren Aufgabe. Wenn man diese Palette betrachtet, so muss jeder eingestehen, dass für jeden Zuchtfreund, auch für den anspruchsvollen Liebhaber eine Variante vorhanden ist, um die Thüringer Farbentauben weiterzuentwickeln und zu vervollkommnen.


THÜRINGER STORCHTAUBEN

Wenn man früher von Storchtauben sprach, so wurden immer die farbigen Latschen mit angesprochen. Nach den jetzigen Erkenntnissen handelte es sich immer um die heutigen Storchtauben. Glattfüßige, die heutigen Thüringer, waren sehr selten, bzw. überhaupt nicht vorhanden. Dürigen stellte 1886 fest, dass glattfüßige Storchtauben selten seien. Neubert erklärte später, dass sie überhaupt nicht existieren.

Entstanden ist die Thüringer Storchtaube durch Kreuzungen zwischen Thüringer Flügel- und Thüringer Schnippentauben, unter Verwendung der schon vorhandenen sächsischen Storchtaube. Die sächsische Storchtaube selbst ist wahrscheinlich aus weißbindigen sächsischen Flügeltauben, bedingt durch Farbstoffschwund und immer breiter werdende weiße Binden, unter Verwendung der sächsischen Schnippentaube entstanden. Die Storchtaube wird auch Schwingentaube genannt. Dieser Ausdruck ist auf die eigenartige Schwingenzeichnung zurückzuführen. Allerdings wird die Schwingentaube früher mit farbigen Schwanz beschrieben. Dieser farbige Schwanz lässt Rückschlüsse auf Einkreuzung von Schnippentauben schließen. Man ging auch davon aus, dass die Storchtaube aus Abspaltung der vorhandenen Flügelschecke entstanden sein könnte. Wer weiß wie die Flügelschecke zustande kommt, wird allerdings diese Möglichkeit ausschließen.

Der Thüringer Züchter Fritz Köllner aus Schmerbach, am Fuße des Inselsberges, hast in siebenjähriger Zuchtarbeit den roten Farbenschlag herausgezüchtet und 1965 die ersten ausstellungsfähigen Tiere zur Lipsia ausgestellt. Leider hat dieser Pionier der Thüringer Storchtaube die Zucht schon einige Jahre aufgegeben, unverständlich für die Züchterwelt. Zuchtfreund Köllner hat sächsische Storchtauben mit Thüringer Flügel- und Schnippentauben, zur Herauszüchtung verwendet.

Die Thüringer Storchtaube ist eine der größten Seltenheiten in der Taubenzucht überhaupt. Mir sind nur vier bis fünf Zuchten in Deutschland bekannt, allerdings nur im roten und schwarzen Farbenschlag. Die Thüringer Storchtaube ist noch in gelb und blau anerkannt.

Jede gezeigte Storchtaube ist ein Juwel. Unter dieser Betrachtung sollte dann auch die Bewertung auf Schauen vorgenommen werden.

Da die sächsischen Farbentauben naturbedingt Fußbefiederung und meistens eine Muschelhaube besitzen, sind diese Feinheiten auch bei den sächsischen Storchtauben vorhanden und mussten bei der Herauszüchtung der Thür. Storchtaube verdrängt werden. Selbige ist glattfüßig, hat aber noch Probleme mit rauen Füßen, denn die Latschenverdrängung ist recht hartnäckig.

Die Thüringer Storchtaube verkörpert von der Form her in etwa den Typ der Thüringer Flügeltaube. Die Brustbreite der Thüringer Schnippentaube erreicht die Storchtaube nicht. Man sollte auf gut gerundete Kopfform, mit entsprechender Oberkopfwölbung achten. Ein entsprechender Schnabel-Stirnwinkel sollte ebenfalls vorhanden sein. Ebenfalls ist das Verhältnis Schwingenlänge zum Schwanzende, bei guter Rückendeckung ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung. Durch die laufend erforderlichen Einkreuzungen, sind allerdings die fehlerhaften Proportionen, durch Beinstellung im Brustbereich, wie sie bei den Thüringer Flügeltauben auftreten, bei den Storchtauben nicht erkennbar.

Die extreme Zeichnung bildet den Schwerpunkt bei der Thüringer Storchtaube. Die Storchtaube ist eine weißgrundige Farbentaube die nur wenige Körperbereiche wie Schippe, Stoß und eine bestimmte Anzahl der Schwungfedern farbig zeigt. Dadurch bedingt triff Farbstoffschwund auf. Zum Beispiel zeigen sächsische Storchtauben bedeutend bessere Schwingenfarbe als Thüringer, da durch die vorhandene Fußbefiederung (Latschen), die Tiere über erheblich mehr Farbstoffreserven verfügen.

Da die Thüringer Storchtaube eine Farbentaube ist, spielt die Farbe naturgemäß eine wesentliche Rolle. Auch hier kann man keine Maßstäbe wie bei den Flügeltauben anlegen. Wie schon bereits angeführt, geht durch die Zeichnung der Storchtaube bedingt, ein Vorgang der Farbstoffverdrängung im Tier vor sich. Durch diese Verdrängung wird die Farbintensität der Schwingen erheblich beeinträchtigt. Es ist somit nur in Ausnahmefällen, besonders bei der schwierigen roten Farbe, eine intensive Schwingenfarbe möglich. Wer denkt, durch die zeichnungsbedingte Farbzurückdrängung eine bessere Farbe zu erreichen, gibt sich einem Irrtum hin. Die Maßstäbe der Flügeltauben, in Bezug auf Schwingenintensität sind nicht anzulegen. Auch die Kiele der farbigen Schwingen sind meistens nicht durchgefärbt. Hat man ein Tier mit durchgefärbten Kielen ist eigenartigerweise die Farbe matt.

Die wenig auf Schauen gezeigten schwarzen Storchtauben sind farblich schon beachtlich. Hingegen kann man die Tatsache, dass die rote Farbe die schwierigste in der Zucht ist und große Probleme in sich birgt, bei allen Farbentauben erkennen.

Die Schnippe der Thüringer Storchtaube soll etwa bohnengroß harmonisch verlaufen. Im Ansatz soll die Schnippe möglichst schmal beginnen und darf nicht im Schnabelwinkel aufsitzen.

Bei den roten und gelben Storchtauben sollte auf saubere Schnabelfarbe geachtet werden. Bei Schwarz und Blau ist der Oberschnabel dunkel, der Unterschnabel muss selbstverständlich ebenfalls fleischfarbig sauber sein. Angelaufene oder fleckige Schnäbel sind natürlich fehlerhaft.

Das dunkle Auge der Thüringer Storchtaube wird mit einem schmalen, fleischfarbigen bis roten Augenrand geziert. Diese Auslegung gibt dem Preisrichter die Möglichkeit einer variablen Bewertung. Bei sonst guter Farbe und Zeichnung sollten Abweichungen milde beurteilt werden, denn die Probleme der Storchtaube sind ohne Augenrand schon beachtlich. Ein V Tier muss also keinen roten Augenrand besitzen, wenn die übrigen Feinheiten stimmen. Bei sonstiger Gleichheit hat natürlich der rote Augenrand Vorrang.

Um eine mustergültige Zeichnung bei der Thüringer Storchtaube zu erhalten, müssen erfahrungsgemäß 14 farbige Schwingen, das heißt zehn Hand- und vier Armschwingen farbig vorhanden sein, wobei links und rechts, keine Zahlengleichheit zu bestehen braucht. Von den Deckfedern der Armschwingen sind in diesem Fall sechs bis sieben farbig. Bleibt die Anzahl der farbigen Schwingen unter dieser Forderung, so treten Entfärbungen an dem Daumenfittich (Stoß) auf. Zwischen dem farbigen Stoß und der Anzahl der farbigen Schwingen besteht eine enge Beziehung. Wenn die farbigen Schwingen unter 12 vorhanden sind, bleibt der Stoß naturbedingt weiß. Es kommt dadurch bedingt nicht zu der gewünschten Dreieckzeichnung am Flügelbug, der so genannten Blume. Es tritt dann ein schmales strichartiges Farbband auf, welches plötzlich aufhört, weil sich die weißen Federn des Daumenfittichs letztlich dazwischen schieben.

Bei Farbstoffüberschuss und einem Zunehmen der farbigen Schwung- und Deckfedern im Armbereich auf mehr als vier Armschwingen und sechs kleine Deckfedern kommt es zu einem unschönen gefärbten breiten Flügelband und übergroßer Blume. Die Züchter versuchen dann die Stellen wegzuputzen. Man sollte auf alle Fälle beachten, dass bei diesem Putzvorgang keine kahlen Stellen entstehen. Kahle Stellen haben tiefe Noten zur Folge. Hier sei nochmal eindringlich auf den Zusammenhang zwischen der Anzahl der farbigen Schwingen mit einer vorbildlichen Flügelbugzeichnung hingewiesen.

Weitere Grobe Fehler, die niedrige Noten zur Folge haben. Im Ansatz eine zu breit aufsitzende Schnippe, einseitige Schnippe, flacher kantiger Kopf, stark geputzte Blume oder Stoß, fleckiger Schnabel bei Rot und Gelb, nicht durchgefärbter Oberschnabel bei schwarz und blau. Schilf in den Schwingen, raue Läufe, die durch Einkreuzungen von sächsischen Storchtauben entstehen.
Bei der Bewertung von Thüringer Storchtauben sollte der Preisrichter sich mit der Materie befassen und die Beurteilung nicht wie an einem Massenartikel vornehmen. Die Zusammenhänge der extremen Zeichnung mit der natürlichen Farbstoffverdrängung ins Auge fassen und mit viel Fingerspitzengefühl und Freude seine wichtige richtungsweisende Arbeit verrichten.


DER SONDERVEREIN

Wenn Sie mehr wissen möchten, wenden Sie sich bitte an den SONDERVEREIN THÜRINGER FARBENTAUBEN von 1910.

Jürgen Weichold / Vorsitzender
Anschrift: Großhettstedt 43 / 99326 Ilmtal
Telefon: 0 36 29 – 35 90
eMail: weichold@finanzvorteil.de

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