Präsentation anlässlich des 125jährigen Bestehens des Sondervereins der Züchter des Zwerg-Hamburger-Huhnes Deutschlands

HERKUNFT & GESCHICHTE

Die Zwerg Hamburger sind – wie fast alle verzwergten Rassen – aus der Großrasse hervorgegangen. Aus diesem Grund möchte ich einige Anmerkungen zur Entstehung der Großrasse der „Hamburger“ vorweg schicken. Zur Entstehung der Hamburger schreibt A. H. Köhn: Die einzelnen Farbenschläge des Hamburger Huhnes enthalten mannigfache Blutströmungen. Bei der Entstehung der Rasse und der Farbenschläge waren verschiedene Rassen beteiligt. Nicht anders ist dies ja auch bei fast allen in Deutschland anerkannten Rassen, die heute bis ins Kleinste gehende Musterbeschreibungen aufweisen. Dasselbe ist in den anderen rassezüchterisch bedeutenden Nationen vor allem England und Holland zu beobachten.

Vielfach wurde angenommen, dass das Hamburger Huhn seines deutschen Namens wegen auch hier seinen Anfang haben müsste. Diese Theorie ist jedoch sehr zweifelhaft, wenn auch nicht ganz von der Hand zu weisen, da auch deutsche Landhuhnschläge bei den gesprenkelten z. B. die Möwenhühner, die osfriesischen Moorhühner und die Totleger aufgrund ihrer leichten, schnittigen Form mit ähnlichen Zeichnungsanlagen mit herangezogen wurden.

Das gleiche gilt bei den einfarbigen Farbenschlägen. Besonders jedoch dürften die Lackhühner ihren Ursprung in England haben und von den Mooneys‘, den Mondhühnern abstammen, worauf die Tupfung zurück zu führen ist. Das die Hamburger schon eine sehr alte Rasse sein müssen, geht aus einer Abhandlung mit Bildern und genauen Beschreibungen des Italieners Aldrovandi aus dem 16. Jahrhundert hervor. In dieser Abhandlung soll eine Hühnerrasse aufgeführt worden sein, welche große Ähnlichkeit mit den Hamburgern aufwies.

Diese Rasse wurde als „Turkeys‘ – Türkische Hühner bezeichnet. Dieses lässt den Schluss zu, dass die Urahnen der Hamburger aus dem Vorderen Orient stammen und später über Deutschland nach England eingeführt worden sind. Dort erhielten sie den Sammelnamen „Hamburgh poultry“, weil sie aus der Gegend von Hamburg kamen und durch Vermittlung von Hamburger Kaufleuten nach England gebracht  wurden. Weitergehend soll die Rasse ihren Sammelnahmen „Hamburgh poultry“ um 1850 durch den englischen Preisrichter Dixon erhalten haben, welcher auf der ersten Geflügelschau in Birmingham alle artverwandten Varietäten wie Gold spangled, Silver spangled (Sprenkel) Silver Mooneys, Golden Hamburghs einordnete. Geht man diesen einzelnen Varietäten weiter auf den Grund, so muss man die Sprenkelhühner von den Lackhühnern scharf auseinanderhalten. Die Sprenkelhühner sind unverkennbar nächste Anverwandte der Ostfriesischen Rassen.

Dagegen gehen die Lackhühner aus den Schlägen der „Mooneys‘“ hervor und traten in Silber und Braun auf.

Aus weiteren alten Berichten ist zu entnehmen, dass sich schon Ende des vorletzten Jahrhunderts Zuchtfreunde Gedanken machten, die feinen Formen der damals stark verbreiteten Hamburger und ihre schönen Zeichnungen in der Größe eines Zwerghuhnes zu vereinen.

Im Jahr 1893 berichtete „Dürigen“ in seinen „ Kennzeichen …“, dass die Zwerg-Hamburger im Werden begriffen seien. Bei Ausstellungen wurden diese aber kaum gesehen. Von englischen Schauberichten aus dieser Zeit und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Zwerg-Hamburger häufiger erwähnt und in einer Schrift aus dem Jahr 1908 finden wir eine Würdigung der Zwerge, wobei der Verfasser berichtete, dass schon wirklich gute Zwerg-Hamburger gezeigt wurden.

Aus England kamen dann die Zwerg-Hamburger nach Deutschland und in die Niederlande. Die Holländer betrachteten die Zwerg-Hamburger als ihre Nationalrasse und brachten ihnen damit auch große Aufmerksamkeit entgegen. Sie wurden schon um 1900 in vielen Farbenschlägen gezüchtet. Aus dem Jahr 1947 wird in Holland von einer Ausstellung in Enschede berichtet, dass dort Zwerg-Hamburger in sieben Farbenschlägen zu sehen waren, und zwar die Farbenschläge silberlack, goldsprenkel, silbersprenkel, gelbweiss-gesprenkelt, goldweiss-gesprenkelt und hennenfiedrig.

In dieser Zeit begann ein reger Austausch von Tieren und Bruteiern mit England und  mit den Niederlanden und so kamen auch die Zwerg-Hamburger-Silberlack verstärkt zu uns.

Der erste Weltkrieg vereitelte eine weitere Ausbreitung der Zwerge in Deutschland. Aber schon zu Beginn der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts waren besonders die Silberlack häufiger bei den Ausstellungen zu sehen. Bei Ausstellungen in Hannover der Jahre 1920 und 1921 wird von aus Holland eingeführten Zwerg-Hamburgern-Silberlack berichtet. Sie zeigten aber noch nicht den Hamburger Typ. Es waren rosenkämmige Zwerghühner mit schwarz-weißem Gefieder. In einem Brief des späteren Mitgründers des Sondervereins, Emil Uhlmann, berichtet dieser, dass er 1922 aus Kreuzungen von großen Silberlack mit schwarzen Bantam und einem von Büttner gekauften Zwerg-Hamburger-Silberlack aus Holländischer Zucht gute Erfolge erzielte und bei den Ausstellung seine Tiere gezeigt hat. Anfang der dreißiger Jahre standen dann schon 20 bis 30 stark verbesserte Zwerg-Hamburger-Silberlack bei den Großschauen.   Auch mit der Erzüchtung der Zwerg-Hamburger, goldlack, beschäftigten sich mehrere Züchter. In einem Bericht einer englischen Schau im Jahr 1925 schildert der Schreiber mit begeisterten Worten die Schönheit einiger Goldlackzwerge. Aus Holland hört man ebenfalls aus dieser Zeit von erfolgreichen Zuchtergebnissen. Auch in diesen Jahren hat sich unter anderem der Emdener Züchter H. Dirks mit der Herauszüchtung durch Kreuzung von Goldlack x schwarze Bantam x Zwerg-Silberlack beschäftigt. Leider konnte er aus Kostengründen keine Tiere aus dem Ausland importieren. Erstmals bei einer Großschau standen 1929 auf der Nationalen in Leipzig eine größere Anzahl von Goldlackzwergen des Züchters Albert Kraus. Der Autor schreibt: „Es waren der Farbe und Form nach schon recht ansprechende Tiere, die ihrem Züchter alle Ehre machten. Feine Qualitäten zeigte besonders der Spitzenhahn, der einer schärferen Kritik standhalten konnte.“

Bild von 1932 Im Jahr 1933 erfolgte dann die Gründung des Sondervereins der Züchter aller Hamburger Zwerge. Leider liegen keinerlei Gründungsunterlagen aus dieser Zeit vor. Erstmals ist in einem Bericht des Sondervereins in der Geflügel-Börse vom 13. April 1934 von der Gründung des Sondervereins zu lesen. Aus diesem Bericht geht hervor, dass die Gründung des Sondervereins der Züchter aller „Hamburger Zwerge“ endlich zustande gekommen ist und dieses die Züchter unserer schönen und nützlichen Zwerghühner mit Freuden zur Kenntnis genommen haben. Weiter wird berichtet: „Erfreulicherweise waren eine größere Anzahl Züchter sofort beigetreten und weitere neue Mitglieder sind dem Sonderverein inzwischen beigetreten, wenn auch noch etliche Züchter dem Sonderverein noch abseits stehen.“ Zum 1. Vorsitzenden wurde der damals bekannte Züchter Richard Herzog gewählt und der spätere langjährige Vorsitzende, Emil Müller II, Albig, übernahm das Amt des Kassierers. Der Beitrag betrug damals 3 Mark.

Die Zwerg-Hamburger nahmen in den folgenden Jahren einen beachtlichen Aufschwung und waren bei allen Ausstellungen in größeren Tierzahlen zu sehen. Diese positive Entwicklung nahm aber ein jähes Ende mit den schweren Tagen des letzten Weltkrieges. All die viele Züchterarbeit war zerstört und viele Zuchtfreunde konnten ihrem schönen Hobby nicht mehr nachgehen. 1947 nahm dann der bekannte und langjährige Vorsitzende Paul Weber, Mölkau bei Leipzig, die Arbeit des Sondervereins wieder in die Hände und erwarb sich große Verdienste im Wiederaufbau der Zuchten der Zwerg-Hamburger. Große Unterstützung erhielt er weiter von unserem ehemaligen Ehrenvorsitzenden, Gerhard Bornemann, Taucha. Die Trennung unseres Vaterlandes bereitete den Zuchtfreunden, die gemeinsam die Zucht voranzutreiben wollten, ein schnelles Ende. Der Austausch von Tieren sowie gemeinsame Ausstellungen waren kaum möglich. Unter großen Schwierigkeiten wurde unserem Zuchtfreund Fritz Kühne, Kassel, 1956 letztmalig die Möglichkeit gegeben in Leipzig auszustellen. Gemeinsam wurde in Leipzig 1957 entschieden, in Westdeutschland einen 2. Sonderverein zu gründen, was dann auch schon bei der Nationalen in Köln 1958 gelang. Eine Zusammenarbeit mit den ostdeutschen Zuchtfreunden war aufgrund der politischen Situation nicht mehr möglich. Im gleichen Jahr schlossen sich weitere Mitglieder dem Sonderverein an, so dass Ende 1958 schon über 20 Mitglieder dem Sonderverein angehörten. Zuchtfreund Anton Schumann ist der einzige, der seit der Gründung im Jahr 1958 dem Sonderverein angehört. Besonders wertvoll war es, dass gleich nach Gründung unseres Sondervereins unsere verstorbenen Preisrichter Willy Bock und Richard Hellmann die wichtigste Arbeit übernehmen konnten, um eine gleichmäßige Bewertung sicherzustellen und den Mitgliedern in der Zucht entscheidende Hinweise zu geben. Diesem 1958 gegründeten Sonderverein stand in seiner erfolgreichen Aufwärtsentwicklung Fritz Kühne, Kassel, als Vorsitzender vor. Die Silberlack entwickelten sich zu einer sehr beliebten Rasse mit stark steigenden Ausstellungszahlen. In den sechziger Jahren haben sich dann auch mehrere Züchter mit den Zwerg-Goldlack beschäftigt und recht brauchbare Tiere herausgezüchtet.

Den wohl größten Erfolg konnten wir 1976 verzeichnen. Schon Anfang der dreißiger Jahre trug man sich mit dem Gedanken der Erzüchtung der schwarzen Zwerg-Hamburger. Zunächst sah man aber wieder davon ab, da es zu Vermischungen von schwarzen Zwerg-Hamburgern und schwarzen Bantam kommen könnte. Unserer sicher unvergessener Zuchtfreund und Bantam-Spezialist, Georg Beck, war zunächst auch dieser Meinung und gab seine Bedenken zu dem Anerkennungsantrag. Zuchtfreund Josef Tapken hat mit seiner Frau unermüdlich, mit vielen Zuchtlinien, wesentliche Voraussetzungen bei der Herauszüchtung der Schwarzen geschaffen. Bei der Vorstellung 1976 legten wir größten Wert auf die typische Hamburger-Form und so überzeugten  14 Schwarze  der  Zuchtfreunde Tapken, Kühne, Fritsch, Caspers, Eimertenbrink und Schumann in Hannover und der Anerkennung stand nun nichts mehr im Wege. Auch im Osten Deutschlands gab es Bemühungen um die Herauszüchtung der schwarzen Zwerg-Hamburger. Hier machte sich der Zuchtfreund Horst Rommel verdient und brachte sie 1972 in Leipzig zur Anerkennung.

In den alten und neuen Bundesländern hatten sich zu dieser Zeit mehrere Zuchtfreunde mit der Anerkennung neuer Farbenschläge beschäftigt. In den Jahren 1989 bis zur Anerkennung 1991 zeigten die Zuchtfreunde Friedrichs, Haubrich,  Riedel und Schnelle ihr züchterisches Können mit der Vorstellung der Goldsprenkel.

Schon Ende der achtziger Jahre bemühte sich unser Altmeister, Karl Fischer, mit der Anerkennung der Zwerg-Silbersprenkel. Auch hier erfolgte nach dreijähriger Vorstellung der Tiere unserer Zuchtfreunde Karl Fischer, Josef Langfermann und Uwe Seidemann die Anerkennung der Zwerg-Silbersprenkel, mit größtem Lob für die 3 Aussteller.

Auch das Bemühen, die weiteren beiden einfarbigen Farbenschläge, der weißen und der blauen Hamburger zu verzwergen, ließ nicht auf sich warten. So waren es die Zuchtfreunde Hermann Bach, Reinhold Führer und Albert Wetzel, denen 1993 als Lohn ihrer züchterischen Arbeit die Anerkennung des weißen Farbenschlages zugesprochen wurde. Im folgenden Jahr 1994 konnte auch Zuchtfreund Friedbert Peter nach langer mühevoller Zuchtarbeit mit Stolz die Anerkennung des blauen Farbenschlages erreichen.

Somit sind alle Farbenschläge der großen Hamburger auch als Zwerghühner anerkannt. Es ist schon eine große Freude, all diese Farbenschläge in der überaus bemerkenswerten Qualität bei den Ausstellungen zu sehen. All diesen Zuchtfreunden gebührt höchste Anerkennung und Dank für ihre mühevolle züchterische Arbeit.

Große Unterstützung erhielten die Züchter von ihrem Sonderverein, der nun schon 85 Jahre den Züchtern mit Informationen zur Seite steht. An dieser Stelle sei den Gründern und Pionieren der Zwerg-Hamburger-Zucht besonders gedankt. Zu nennen sind insbesondere die langjährigen Vorsitzenden Emil Müller II, Albig; Paul Weber, Mölkau; Fritz Kühne, Kassel, Gerhard Bornemann, Taucha und nicht zuletzt unseren Ehrenvorsitzenden Anton Schumann. Heute wird der SV von unserem jungen dynamischen Vorsitzenden Stefan Heidrich mit großem Eifer und einem rührigen Vorstand geleitet. Selbstverständlich haben sie sich in all den Jahren uneigennützig für die Belange und zum Wohl unseres Sondervereins eingesetzt.

PRÄSENTATION DER ZWERG-HAMBURGER

Die Musterbeschreibung der Zwerg-Hamburger gleicht in fast allen Punkten in verzwergte Form der Großrasse.

Die Zwerg-Hamburger sind edle Formenhühner mit schnittiger fasanenartiger Form. Sie wirken fein und anmutig mit langem Gefieder, glänzenden Farben und edlem Kopf  mit Rosenkamm, der in einem waagerecht oder leicht steigenden runden Dorn endet und zu dem Körper passenden großen dicken weißen Ohrscheiben. Sie haben eine schlanke, freistehende fast waagerechte  Körperhaltung mit flüssigem Übergang zur leicht ansteigenden Schwanzpartie.

Die Hähne wünschen wir uns mit voller Schwanzpartie mit breiten Sicheln und gut ausgebildeten Nebensicheln. Sie sollten möglichst  abgerundet enden und nicht schleppend getragen werden.

Die Hennen mit fast waagerechtem langen, walzenförmigen Körper, geschlossenem Schwanz mit leicht gebogenen Deckfedern. Ihre beachtliche Legeleistung bei Eiergewichten von 35 – 40 Gramm betragen 130 bis 160 Eier pro Jahr.

GEFORDERTE EIGENHEITEN IN DER FARBE

Nun möchte ich noch einige Betrachtungen zum derzeitigen Zuchtstand erörtern. Die Zwerg Hamburger Silberlack sind nach 125 Jahren Geschichte immer noch das Aushängeschild und der weitaus verbreitetste Farbenschlag. Der Wettbewerb um den Siegerring 1968  brachte eine große Verbesserung der Qualität mit sich, so galt es nach diesem Großereignis und den großartigen Zuchterfolgen, das Erreichte zu erhalten, zu festigen sowie weitere Zuchtziele voranzutreiben. Hier waren im Wesentlichen zu nennen: Bei den Hähnen die Kämme, Kehllappen,  Rückenlinie, Ohrscheiben, saubere Grundfarbe, Hals und Sattelzeichnung. Bei den Hennen, eine klare voll gezeichnete Kehlzeichnung, saubere Grundfarbe, Tupfengröße und eine klare nicht überladene Zeichnung. Bei den Hähnen konnten die Kämme und Kehllappen zwar in den folgenden Jahren deutlich verbessert werden, jedoch waren hier immer wieder Rückschläge hinzunehmen. Immer wieder zu beanstandende Punkte waren die Körperhaltung, Rückenlinie und die Flügelhaltung. Auch hier konnten nur langsam Fortschritte erzielt werden. Stärkste Beachtung widmeten wir der sauberen Grundfarbe, jedoch konnten hier schnell durch die Hinweise der Preisrichter Erfolge erzielt werden. Bei den Hennen bereiteten uns die dunklen Hinterköpfe immer wieder große Probleme, eine Folge der vollen Kehlzeichnung. Als zu dunkel ist zu bezeichnen, wenn die Federn im Hinterkopf kein weiß mehr zeigen. Auch hier waren, wenn auch mühsam, Erfolge zu verzeichnen. Das gleiche trifft bei der klaren nicht überladenen Zeichnung zu. Ziel ist es, eine breite Feder mit rundem Tupfen am Ende zu züchten. Bei breiter Feder ist naturgemäß der Tupfen auch größer und das Farbbild wirkt dunkler, deshalb sind Tiere mit großen Tupfen und folge dessen etwas überladener Zeichnung nicht zu strafen und für die Zucht besonders wertvoll. Hier ist ein guter Mittelweg anzustreben. Bei den Großschauen und Hauptsonderschauen waren in all den Jahren recht gleichmäßige Kollektionen der Silberlack zu bewundern. Einen neuen großen Schub brachte die Wiedervereinigung 1990 und die Vereinigung der beiden SV mit sich. Bei den ersten Hauptsonderschauen standen mit Rekord-Meldeergebnissen von fast 400 Tieren erstmals über 200 Silberlack. Die Zuchtstände in beiden Teilen Deutschland waren sehr gleich, und so vollzog sich auch im gemeinsam zusammengeführten Sonderverein die Zucht und Bewertung vollkommen reibungslos. Die bisherige Zuchtarbeit setzte sich fort und so konnten weitere Fortschritte erzielt werden. Bei den Hähnen haben sich die Formen stark verbessert. Nur selten mussten Tiere zurückgesetzt werden. Auch farblich gab es kaum Versager. Starke Fortschritte sind gerade in den letzten Jahren in der vollen Schwanzbesichelung erfolgt. Auch ein Dauerproblem, die Kehllappen, haben sich deutlich verbessert, wenn auch leichte Falten im Kehllappenansatz nicht zu strafen sind. Bei den Hennen sind die dunklen Hinterköpfe fast verschwunden – und das bei weiterhin guter Kehlzeichnung. Auch sind die Tiere trotz breiter Feder etwas offener in der Zeichnung geworden. All diese Fortschritte sind sicher auch Dank der wegweisenden Beurteilung  unserer zahlreichen Sonderrichtern bei den Ausstellungen erzielt worden. Ihnen gebührt ein besonderes Lob und gleichzeitig ein Dankeschön für ihre Tätigkeit. Auch haben die Großereignisse 2008 usw.  einen weiteren Schub in der Qualität gebracht. So können wir heute höchste Anforderungen stellen. Die Hähne zeigen sich in der gewünschten langen fast waagerechten Form mit feinem Kopf, schönen dicken weißen Ohrscheiben und klarer Zeichnung. Bemerkenswert die schönen vollen Schwanzpartien mit sauberer Grundfarbe. Auch sind nur selten faltige Ohrscheiben zu bemängeln. Auch die Hennen mit der lebhaften Ausstrahlung mit schöner langer Form mit besten Köpfen, bei breiter Feder, runde Tupfen  und klarer offener Zeichnung. Es muss natürlich beachtet werden, dass ein Tier mit breiter Feder, dadurch ein größerer Tupfen, selbstverständlich etwas dunkler wirkt. Nur noch selten sehen wir Hennen mit zu dunklen oder schwarzen Köpfen.   Ein besonderer Dank gilt aber den Züchtern, dass sie immer wieder mit Mut und Energie die neuen Ziele angepackt haben, auch wenn es häufiger Rückschläge gab. Dadurch können wir heute auf eine erfolgreiche Zucht bei den Silberlack zurückblicken. Auch weiterhin wünschen wir den Zuchtfreunden viel Erfolg in der Zucht und bei den Ausstellungen, vor allem aber viel Freude mit ihren Silberlack-Zwergen.

 Die Goldlack haben eine wechselhafte züchterisch Entwicklung durchlaufen. Sie wurden zwar schon um 1900 erwähnt, es befassten sich aber nur wenige Züchter mit diesem Farbenschlag. Die Zeichnung ist die gleiche, wie bei den Silberlack, nur mit dem Unterschied, dass die Grundfarbe goldbraun und die Schwanzpartie rein schwarz verlangt wird. Die Goldlack sind von ihrer Legeleistung und vom Ei-Gewicht den Silberlack noch deutlich überlegen.   In den zwanziger Jahren konnten bei verschiedenen Schauen Goldlack Zwerge angetroffen werden. Figürlich wird von brauchbaren Tieren berichtet, wenngleich auch die meisten etwas groß waren. Farblich konnten die Tiere wohl gefallen, jedoch ließ die Tupfenzeichnung noch viele Wünsche offen. Auch nach Gründung des Sondervereins 1933 waren sie nur selten zu sehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie fast ganz verschwunden. Lediglich von den Zuchtfreunden Gockel aus Bad Dürrenberg und Lindemann aus Schüttorf ist bekannt, dass sie noch Goldlack-Zwerge züchteten. Alfred Schweitzer nahm sich schon Anfang der sechziger Jahre diesem Farbenschlag an und zeigte recht schöne Tiere. Die Tupfenzeichnung ließ aber auch noch viele Wünsche offen. Ende der sechziger Jahre nahmen sich dann die Zuchtfreunde Haubrich Bornemann, Kühne, Neumann und Schumann diesem schönen Farbenschlag an. Schon in kürzester Zeit konnten deutliche Zuchterfolge erzielt werden. Bei der Deutschen Junggeflügelschau 1969 in Hannover erhielt ein figürlich sehr schöner Hahn mit schon beachtlicher Tupfung das „Blaue Band“. Figürlich machten uns die Goldlack am wenigsten Schwierigkeiten. Bei den Hennen bereitete uns die Brustzeichnung große Probleme. Auch zeigen die Goldlack den kräftigsten Grünlack von allen Farbenschlägen, wobei hier und da aber auf violette Bänderung zu achten ist. Die Köpfe dagegen waren den anderen Farbenschlägen deutlich überlegen. Sehr schöne dicke runde Ohrscheiben bei beiden Geschlechtern, sowie vollkommen glatte Kehllappen sind keine Seltenheit. Auch die Brustzeichnung hat sich gerade in den letzten Jahren sehr stark verbessert, diese ist heute bei den  meisten Tieren bei beiden Geschlechtern kaum noch zu beanstanden. Von allen Farbenschlägen zeigten sich in den letzten Jahren die Kollektionen der Goldlack am gleichmäßigsten und erfreuten so manchen Züchter und Betrachter. Leider haben wir nur wenige Züchter dieses  Farbenschlages. Wünschen wir doch diesem schönen, heute gut durchgezüchteten Farbenschlag, weitere neue Liebhaber und Züchter.

Schon weit vor 1900 wurde von den Hamburger-Sprenkel-Hühnern in Büchern berichtet. Einer Verzwergung der beiden Farbenschläge wurde aber in Deutschland nicht nachgegangen. In Holland sind die Gold- und Silbersprenkel schon sehr lange anerkannt und so standen schon 1947 in Enschede mehrere Tiere beider Farbenschläge. Im Jahre 1991 erfolgte dann die Anerkennung  der Goldsprenkel auf der  Ausstellung in Hannover. Nun galt es diese Zuchten zu festigen und der Musterbeschreibung entsprechend zu verbessern. Sie erfreuen sich einer großen Beliebtheit und haben entsprechend heute einen verhältnismäßig hohen Zuchtstand erreicht. Die Hähne sollen gleichmäßig am ganzen Körper goldbraun mit glänzenden Flügeldecken sein – die Steuerfedern schwarz und die Sicheln schwarz mit schmaler goldbrauner Säumung. Bei den Hennen dagegen sollen die Federn mit Ausnahme des Halsbehangs, mit schmalen schwarzen, grünglänzenden Wellenbändern, möglichst im Verhältnis 1 : 1  sein, und sich gleichmäßig von Feder zu Feder fortsetzen und bandartig über den ganzen Körper ziehen. Diese Ziele konnten schon sehr schnell verwirklicht werden.  Noch zu verbessern ist die Bänderung in der Brust und der Kammdorn, insbesondere bei den Hähnen,  sollte nicht stärker abfallen. Auch auf die Ohrscheiben ist zu achten, die besonders bei den Hennen noch etwas klein und zu dünn sind.

Zur gleichen Zeit bemühte sich unser Altmeister Karl Fischer um die Anerkennung der Silbersprenkel. Mit Unterstützung der Zuchtfreunde Uwe Seidemann und Josef Langfermann wurde 1993 die Anerkennung der Zwerg-Hamburger-Silbersprenkel ausgesprochen. Die Hauptfarbe ist bei den Silbersprenkel silberweiß und die Zeichnung entspricht den Goldsprenkel. Bei den Silbersprenkel bereitet ähnlich wie bei den Weißen die Grundfarbe das größte Problem. Immer wieder trifft man schöne Tiere mit fehlerhaftem gelben Anflug an. Die Hähne sollten eine noch gestrecktere längere Form aufweisen. Bei den Hennen ist noch eine bessere Wellenbänderung in der Brustzeichnung anzustreben. Ebenso sollten wie auch bei den Goldsprenkel  Ohrscheiben etwas dicker sein. Leider haben sich nur sehr wenige Züchter diesem Farbenschlag verschrieben.

Schon in den zwanziger Jahren beschäftigte man sich mit der Herauszüchtung der schwarzen Zwerg Hamburger. Von allen Gremien und Fachleuten wurde von der Herauszüchtung und Anerkennung wegen der Verwechselung von Bantam und schwarzen Hamburgern abgeraten. Unsere Argumente 1972 bei dem Antrag auf Anerkennung lauteten eindeutig: „Bei dem großen Unterschied in der Form, der Flügelhaltung und dem Schwanzaufbau ist eine Verwechslung auszuschließen“. Große Anerkennung erhielten wir selbst von dem Altmeister Georg Beck, der unseren Argumenten folgte und sich für die Anerkennung aussprach. Dank gilt insbesondere der Familie Tapken, die sich seinerzeit außerordentlich für die Schwarzen eingesetzt hat.   Von den schwarzen Zwerg-Hamburgern verlangen wir in verstärktem Maß die schnittige, elegante Fasanenform und die Hähne mit voller Besichelung. Feine Hennen müssen leicht gebogene Schwanzdeckfedern zeigen. Auch die markanten Kopfpunkte sollen bei diesen einfarbigen Tieren besonders zum Tragen kommen. Ein edler Kamm und große, dicke, weiße Ohrscheiben sowie ein leuchtendes rotes Gesicht mit dunklen Augen sind zu fordern. Die Größe der Ohrscheiben sollte dem Tier angepasst und beim Hahn etwa der Größe eines 2 €-Stückes sowie bei der Henne eines 10 Cent-Stückes entsprechen. Die Läufe sind satt schieferfarbig. Die rein schwarze Farbe des Gefieders soll durch ihren käfergrünen Lackglanz hohen Ansprüchen gerecht werden.  Bei den Hähnen bereiteten sich doch weitaus mehr Schwierigkeiten. Tiere mit abfallender Körperhaltung, Steilschwanz und schlechter Flügelhaltung sind unerwünscht. Zu tief stehende Tiere sind bei beiden Geschlechtern zurück zu setzten  und können die Note „sehr gut“ nicht erreichen. Auch in der Farbe und besonders beim Lack mangelte es so manches Mal. Mit den Kopfpunkten sind wir dagegen  schon schnell vorankommen. In den letzten Jahren konnten wir in der Regel überragende Qualitäten bei den Ausstellungen bewundern.  Es konnten höchste Ansprüche an die Tiere gestellt werden und sie wurden diesen gerecht. Beste lange Formen, mit lackreichem Schwarz und den edlen Köpfen mit den gewünschten großen dicken Ohrscheiben waren zu bewundern. Wünschen wir diesem Farbenschlag auch weiterhin den gewünschten Erfolg und freuen wir uns über diese eleganten schwarzen Zwerg-Hamburger.

Den Weißen haben sich verhältnismäßig wenig Züchter angenommen. Es liegt wohl in erster Linie an der geforderten weißen Grundfarbe, die in  der Regel ein Waschen vor der Ausstellung erforderlich macht. In der Musterbeschreibung verlangen wir in der Farbe reines silberweiß. Die Läufe schieferblau und etwas hellere Augen als bei den Schwarzen Farbenschlag. In den letzten Jahren konnten wir bemerkenswerte Kollektionen bei den Weißen auf den Ausstellungen bewundern. Starker gelber Anflug ist als grober Fehler einzustufen. Alle weiteren Kriterien haben dem Standard der Zwerg-Hamburger zu entsprechen. Der weiße Farbenschlag hat sich in der Palette der Zwerg-Hamburger gut eingefügt.

Bei den großen blauen Hamburgern sind neben den Schwarzen und Weißen auch die Blauen zugelassen. Zuchtfreund Friedbert Peter hat sich in den neunziger Jahren mit der Erzüchtung dieses Farbenschlages beschäftigt und sie zur Anerkennung vorgestellt. Dieser dann 1994 zugelassene Farbenschlag ist aus schwarzen und weißen Zwerg-Hamburgern herausgezüchtet worden. Die Rassemerkmale bereiten bei der Züchtung nicht die größten Probleme, denn die Ausgangstiere sind fast ausschließlich Zwerg-Hamburger. Wir konnten in den letzten Jahren wunderbare Blaue mit tollen Figuren und feinen Köpfen sowie schönen Ohrscheiben bei den Hauptsonderschauen und den Bundesschauen sehen. Die Farbe lautete bisher Blau und ist vor einigen Jahren  im Rahmen der Europäischen Standardanpassung rasseübergreifend in „Blau Gesäumt“ umbenannt worden. Die neue Musterbeschreibung lautet nun: „Grundfarbe etwas dunkleres Taubenblau. Jede Feder mit mehr oder weniger dunkelblauem Saum. Hals- und Sattelbehang, Rücken und Flügeldecken des Hahnes sowie Halsbehang der Henne im Blau dunkler“. Diese Änderung kommt sicher den Züchtern entgegen. Leider gibt es nur wenige Zuchten unserer blauen Zwerg-Hamburger.

DER SONDERVEREIN

Der Sonderverein der Züchter des Zwerg Hamburger Huhnes wurde 1933 gegründet und 1958 aufgrund der politischen Lage in der Bundesrepublik weitergeführt. Parallel hierzu existierte in der DDR die entsprechende Sonderzuchtgemeinschaft – beide wurden 1991 zum heutigen Sonderverein fusioniert. Der Vorsitzende der SZG, Gerhard Bornemann, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt und Anton Schumann führte das Amt des Vorsitzenden im gemeinsamen Sonderverein. Diesem gehören heute gut 100 Mitglieder an.

Da die Rasse ursprünglich aus Zuchten in Holland und England stammte, existieren viele Kontakte zu Zuchtfreunden in den europäischen Nachbarländern – insbesondere zu den Sondervereinen in Holland und Dänemark, was letztlich in mehreren rassebezogenen Europaschauen mündete. Für 2020 ist die 4. Europaschau in Hoya geplant.

Wenn Sie mehr wissen möchten, wenden Sie sich an den Sonderverein der Züchter des Zwerg-Hamburger-Huhnes Deutschlands:

Stefan Heidrich / Vorsitzender
Anschrift: Oberdorfstraße 9 / 02763 Mittelherwigsdorf
Telefon: 03 58 37 – 9 52 72
eMail: heidrich.stefan1@web.de

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